Das Festival, bei dem der Kalender deinen Dresscode bestimmt – Navratri
Das Festival, bei dem der Kalender deinen Dresscode bestimmt – Navratri
Am ersten Abend des Festivals kam ich auf dem Platz an. Tausende Menschen tanzten in riesigen Kreisen. Doch ein Detail stach sofort ins Auge: Fast alle trugen die Farbe des Tages. Am nächsten Tag war es schon wieder eine ganz andere.

Neun Nächte, neun Farben
Navratri bedeutet auf Sanskrit wörtlich „neun Nächte“. Im Jahr 2026 beginnt Sharad Navratri am 11. Oktober, dauert bis zum 19. Oktober und endet am 20. Oktober mit Dussehra (Vijayadashami).
Es ist Tradition, jeder der neun Nächte eine bestimmte Göttin und eine dazugehörige Farbe zuzuordnen. Viele Regionen und Event-Veranstalter teilen vorab Farbleitfäden für jeden einzelnen Tag. Genau deshalb sieht man auf den Festplätzen unzählige Menschen im perfekt abgestimmten Partnerlook.
Gut zu wissen: Die Farbfolge ändert sich von Jahr zu Jahr und variiert je nach Region und lokaler Tradition. Wenn du online recherchierst, wirst du auf verschiedene Farbfolgen stoßen. Wir legen uns hier bewusst nicht auf eine feste Reihenfolge fest – am besten schaust du dich direkt vor Ort um, welche Farbe an diesem Tag dominiert.
Denn auf die genaue Reihenfolge kommt es gar nicht an. Das eigentliche Herzstück des Festivals ist der Grund, warum sich alle farblich abstimmen.
Ein UNESCO-geschützter Tanz und seine traditionellen Gewänder
Der Tanz, der die Nächte von Navratri erfüllt, heißt Garba. Ursprünglich aus Gujarat stammend, hat er sich über ganz Indien verbreitet. Im Dezember 2023 wurde er auf der 18. Tagung des Zwischenstaatlichen Komitees in Kasane, Botswana, offiziell in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen – als 15. Eintrag Indiens.
Besonders spannend ist, wie die UNESCO Garba beschreibt: als rituellen, hingebungsvollen Tanz während der neun Tage von Navratri, der die weibliche Urkraft – Shakti – zelebriert. Ein Satz sticht dabei besonders hervor:
Garba hilft dabei, starre soziale, wirtschaftliche, geschlechtsspezifische und religiöse Barrieren aufzubrechen, fördert die soziale Gleichheit und stärkt den Zusammenhalt, indem verschiedenste und marginalisierte Gemeinschaften integriert werden.
Mit diesem Wissen sieht man das bunte Treiben auf dem Platz mit ganz anderen Augen: Tausende Menschen, die in derselben Farbe im Kreis wirbeln, tun das nicht nur für die Ästhetik – sie setzen ein Zeichen für Verbundenheit.
Kleidung, wie gemacht fürs Drehen
Schaut man sich die Outfits der Garba-Tänzerinnen und -Tänzer an, wird schnell klar: Hier folgt die Form der Funktion.
Das traditionelle Ensemble der Frauen, die Chaniya Choli, besteht aus drei Teilen: einem weiten Rock, der sich beim Drehen wie eine Blüte öffnet, einem figurbetonten Oberteil (Choli) und einer Dupatta – einem Tuch, das oft mit Bandhani-Batik oder kleinen Spiegelstickereien verziert ist. Männer tragen traditionelle Gewänder wie Kediyu und Dhoti.
Der weite Rock ist kein reines Deko-Element. Sein Schnitt sorgt dafür, dass die Silhouette erst in der kreisenden Bewegung ihre volle Wirkung entfaltet. Dasselbe gilt für die Spiegel: Im Scheinwerferlicht der Nacht fangen sie jede Drehung ein und reflektieren das Licht funkelnd in alle Richtungen.
Kurz gesagt: Diese Kleidung ist nicht nur zum Anschauen da, sondern dafür gemacht, sich stundenlang darin zu drehen. Und genau das ist auch für Besucher der wichtigste Styling-Tipp.

Die Farbe ist keine strenge Regel, sondern eine Einladung
Das Schöne an diesem Konzept:
Wie genau der Dresscode gehandhabt wird, unterscheidet sich je nach Region und Location. Wenn ein Event Farbempfehlungen herausgibt, macht das Mitmachen in der Tagesfarbe das Erlebnis noch intensiver. Ein striktes Muss für die Teilnahme ist traditionelle Kleidung in exakter Farbe aber fast nie.
Wenn du das Festival zum ersten Mal besuchst, wirf am besten vorab einen Blick auf die Hinweise zu Kleiderordnung, Schuhen und Fotos. Und falls du lieber nur zuschauen statt mittanzen möchtest, bist du auch in bequemer Freizeitkleidung herzlich willkommen.
So stylst du die neun Farben aus deinem Kleiderschrank
Du musst dir nicht zwingend eine traditionelle Tracht leihen. Oft reicht es völlig, die passende Farbe zu tragen:
Setze beim Oberteil auf Uni. Am Oberkörper kommt die Tagesfarbe am besten zur Geltung. Hast du kein passendes Top im Kleiderschrank, tut es auch ein Schal oder ein langes Tuch im Dupatta-Stil.
Wähle weite, leichte Hosen oder Röcke. Du wirst dich stundenlang bewegen. Wer in einer engen Skinny Jeans aufläuft, sitzt garantiert nach einer Stunde erschöpft am Rand.
Achte auf die Schuh-Regeln. Je nach Event-Location zieht man die Schuhe aus oder es gelten bestimmte Vorgaben für den Tanzbereich.
Wähle Accessoires mit Schwung. Schmuckstücke, die in Bewegung mitschwingen, wirken beim Tanzen viel aufregender als statische Pieces.
Nutze einfach den Farbfilter in deinem digitalen Acloset-Kleiderschrank. So siehst du sofort, welche der neun Trendfarben du schon besitzt – meistens hängt bereits mehr als die Hälfte griffbereit bei dir zu Hause. Fehlende Töne gleichst du mit einem Tuch aus. Wenn du deine Outfits für die Festtage vorab tageweise planst, sparst du dir jeden Abend das Styling-Kopfzerbrechen.
❓ Häufige Fragen
F: Können auch internationale Gäste beim Garba mittanzen?
A: Das hängt vom jeweiligen Event ab. Öffentliche Veranstaltungen freuen sich meist über Besucher, die mitmachen. Checke vorher kurz die Hinweise des Veranstalters. Tipp fürs Mitmachen: Reiche dich am besten erst am äußeren Rand ein, um die Schritte zu lernen, ohne den Fluss der geübten Tänzer zu unterbrechen.
F: Muss ich mir unbedingt traditionelle Kleidung leihen?
A: Nein, bequeme Kleidung in der passenden Farbe reicht völlig aus. Da du dich viel drehst, sind weite, luftige Hosen oder Röcke allerdings deutlich angenehmer.
F: Wie plane ich meine Festival-Outfits am besten mit Acloset?
A: Nutze den Farbfilter, um deinen Kleiderschrank nach den jeweiligen Tönen zu durchsuchen. Teile deine Outfits den Festival-Tagen vorab zu – so steht dein Look für jeden Tag im Handumdrehen fest.
Quellen und Referenzen:
- UNESCO, „Garba of Gujarat“, Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit, 2023
- Incredible India, „Navratri and Garba“ / Richtlinien der jeweiligen Veranstalter
Veröffentlicht vom Acloset Magazin-Team.