Zwei kleine Striche unter dem Waschbottich – was das Pflegeetikett wirklich bedeutet

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Zwei kleine Striche unter dem Waschbottich – was das Pflegeetikett wirklich bedeutet

Im Oktober habe ich meinen Kaschmirpullover zum ersten Mal aus dem Schrank geholt und direkt in die Waschmaschine gesteckt – natürlich im Wollwaschgang. Als ich ihn herausnahm, passte er höchstens noch meinem kleinen Neffen. Erst dann habe ich genauer auf das Etikett geschaut: Unter dem Waschbottich waren zwei kurze, horizontale Striche. Ich hatte einfach keine Ahnung, was das bedeutet.


Kontrolle des eingenähten Pflegeetiketts an der Innenseite eines Strickpullovers

Weit verbreitete Symbole – aber die Textanweisungen gehen vor

Die winzigen Piktogramme auf dem Pflegeetikett: Meistens werfen wir nur einen kurzen Blick darauf und ignorieren sie. Dabei sind sie keineswegs willkürliche Zeichnungen der Brands.

Pflegesymbole nach ISO 3758 und dem GINETEX-System werden weltweit genutzt. Allerdings sind diese internationalen Standards nicht in jedem Land und für jeden Hersteller gleichermaßen verpflichtend. Manchmal gibt es länderspezifische Richtlinien oder zusätzliche Texthinweise der Marke. Gilt also: Wenn Symbol und geschriebener Text auf dem Etikett voneinander abweichen, befolge immer die konkreten Textanweisungen.

Grundsätzlich gibt es fünf Basissymbole:

Der Waschbottich steht für das Waschen, das Dreieck für das Bleichen, das Quadrat für das Trocknen, das Bügeleisen für das Bügeln und der Kreis für die professionelle Textilpflege. Aus diesen fünf Grundformen und ihren Abwandlungen setzt sich alles zusammen. Das wirkt im ersten Moment nach viel Auswendiglernen, doch die meisten Waschpannen passieren fast immer an derselben Stelle.


Was ein einziger Strich unter dem Bottich verändert

Die Zahl im Waschbottich kennen die meisten: Sie gibt die maximale Waschtemperatur an, die nicht überschritten werden darf. Steht dort eine 30, darf das Wasser keinesfalls heißer als 30 Grad sein.

Aber hast du schon einmal auf die horizontalen Balken unter dem Bottich geachtet?

Ein Balken bedeutet eine schonende Wäsche mit reduzierter Mechanik (Pflegeleicht-Programm). Zwei Balken bedeuten einen besonders schonenden Waschgang mit minimaler Bewegung – vergleichbar mit einem speziellen Woll- oder Seidenwaschgang.

Genau hier passieren die meisten Kaschmir-Unfälle: Die Temperatur hat zwar gestimmt, aber die Trommelbewegung und Reibung waren viel zu intensiv. Selbst bei kaltem Wasser verfilzen und schrumpfen empfindliche Fasern extrem schnell, wenn sich die Waschtrommel zu stark dreht.

Die anderen Symbole lassen sich nach dem gleichen Prinzip lesen: Ein leeres Dreieck erlaubt jedes Bleichmittel, zwei diagonale Linien im Dreieck stehen für reines Sauerstoffbleichen, und ein durchgestrichenes Dreieck (X) verbietet Bleichen komplett.

Und dann gibt es noch ein Symbol, das ständig missverstanden wird.


Buchstaben im Kreis haben zu Hause nichts zu suchen

Sicher hast du schon einmal einen Kreis mit den Buchstaben P, F oder W gesehen.

Das sind Symbole ausschließlich für die professionelle Reinigung. „P“ steht für die Trockenreinigung mit Perchlorethylen, „F“ für die Trockenreinigung mit Kohlenwasserstoff-Lösemitteln und „W“ für professionelle Nassreinigung. Sie bezeichnen professionelle Verfahren und Geräte und haben mit den Einstellungen deiner Waschmaschine zu Hause nichts zu tun.

Findest du auf dem Etikett also nur das Kreissymbol und keinen Waschbottich, gilt nicht einfach: „Dann wasche ich es eben im Schonwaschgang.“ Strukturierte Blazer, gefütterte Anzüge oder Mäntel mit verklebten Einlagen verlieren im Wasser augenblicklich ihre Passform und Formstabilität.

Das ist eigentlich schon das gesamte Grundwissen rund ums Etikett. Doch selbst wer sich strikt daran hält, kann Strickteile ruinieren.


Der wahre Feind ist nicht die Hitze, sondern die Reibung

Die kleinen Knötchen auf der Oberfläche von Wollsachen nennen sich Pilling. Woolmark beschreibt Pilling als Faseransammlungen, die durch Reibung entstehen und Strickkleidung schnell alt und abgetragen aussehen lassen.

Pilling entsteht nicht durch Temperatur, sondern durch Reibung. An den Ärmelinnenseiten, unter den Achseln oder an den Schultern, wo die Tasche scheuert – überall dort, wo Bewegung stattfindet, tauchen die Knötchen zuerst auf.

Bei Wolle und Kaschmir hilft es deshalb enorm, sich an das Etikett zu halten und unnötige Waschgänge einfach zu reduzieren.

Woolmark empfiehlt für Handwäsche je nach Strickteil Wassertemperaturen zwischen 30 und maximal 40 Grad. Wie oft ein Teil wirklich gewaschen werden muss, hängt jedoch vom Material, der Strickdichte und dem Tragegrad ab. Wenn das Kleidungsstück weder riecht noch fleckig ist, reicht gründliches Auslüften oft völlig aus. Einzelne Flecken lassen sich gezielt und materialschonend per Hand behandeln.

Wenn du wäschst: Strickteile immer auf links drehen, in ein Wäschenetz geben, die Schleuderzahl auf das Minimum reduzieren und liegend trocknen. Hängst du nasse Strickpullis auf, leiern Schultern und Saum durch das schwere Wasser unweigerlich aus.

Einen Strickpullover zum liegenden Trocknen glatt auslegen


10-Minuten-Pflegecheck für heute Abend

Keine Sorge, das Ganze muss kein Riesenprojekt werden. Nimm dir einfach die Strickpullover und Mäntel vor, die du für die aktuelle Saison herausgeholt hast.

1. Mach zuerst ein Foto vom Pflegeetikett. Füge das Bild direkt zu dem entsprechenden Artikel in deinem digitalen Kleiderschrank hinzu. Nach ein paar Waschgängen verblassen die Etiketten oft komplett – und sind sie einmal unlesbar, weißt du nie wieder, wie das Teil gepflegt werden muss.

2. Sortiere deine Kleidung nach den Balken unter dem Waschbottich in drei Gruppen: Kein Balken (normale Wäsche), ein Balken (schonend), zwei Balken (sehr schonend). Allein diese Unterteilung verhindert 90 % aller Waschpannen.

3. Versehe Teile mit Kreissymbol mit dem Tag „Professionelle Reinigung“ und notiere, ob P, F oder W angegeben ist. So musst du beim nächsten Waschtag nicht lange überlegen.

4. Notiere dir deine Pflegeroutine. Wenn du Waschhinweise und Fleckenhistorie direkt festhältst, verhinderst du, dass Kleidung nur aus Gewohnheit viel zu oft in der Trommel landet.

Das Etikett ist die wichtigste Bedienungsanleitung deiner Kleidung. Zehn Minuten für einen schnellen Check retten deinen Lieblingsstrick durch den ganzen Winter.


❓ Häufige Fragen

F: Was mache ich, wenn das Etikett herausgeschnitten wurde oder fehlt?
A: Überprüfe die Materialzusammensetzung und schaue auf der Website des Herstellers nach Pflegehinweisen. Das reine Material reicht oft nicht aus, um die exakte Waschmethode zu bestimmen. Handelt es sich um ein teures oder aufwendig geschneidertes Stück ohne Infos, gibst du es am besten in die professionelle Reinigung.

F: Kann ich Teile mit professionellen Pflegesymbolen zu Hause waschen?
A: Das Kreissymbol steht für professionelle Pflege: P und F sind Codes für die Trockenreinigung, W für die professionelle Nassreinigung. Vor allem strukturierte Teile mit Innenfutter verziehen sich im Wasser unwiderruflich. Bei reinen Strickteilen lohnt sich der Blick auf das Etikett, ob eventuell doch ein Handwaschsymbol erlaubt ist.

F: Kann ich Pflegehinweise direkt in Acloset verwalten?
A: Ja! Du kannst Fotos des Etiketts und Waschhinweise einfach in den Notizen deines Artikels speichern. So hast du alle Pflegeanleitungen und Materialinfos immer griffbereit, ohne erst am Pullover nach dem Schildchen suchen zu müssen.


Quellen und Referenzen:

  • GINETEX, "Care Symbols under ISO 3758:2023"
  • ISO 3758:2023, Textiles — Care labelling code using symbols
  • Woolmark, "Washing Instruction Symbols Explained"

Veröffentlicht vom Acloset Magazine Team.

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